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Kochen mit nativem Olivenöl extra: Ein Leitfaden ohne Mythen
Kochen und praktische Verwendung

Kochen mit nativem Olivenöl extra: Ein Leitfaden ohne Mythen

4 Min. Lesezeit

Kochen mit nativem Olivenöl extra: Ein Leitfaden ohne Mythen

Es gibt den weit verbreiteten Glauben, dass natives Olivenöl extra nur für Salate geeignet ist. Dass man zum Frittieren ein anderes Öl braucht. Dass es verbrennt, seine Eigenschaften verliert, dass es Verschwendung ist. Bringen wir Ordnung hinein.

Kann man mit nativem Olivenöl extra frittieren?

Ja. Punkt.

Natives Olivenöl extra hat einen Rauchpunkt zwischen 190 und 215 Grad C, je nach Sorte und Qualität. Eine haushaltsübliche Frittur findet bei 160 bis 180 Grad C statt. Es gibt reichlich Spielraum.

Außerdem ist natives Olivenöl extra das stabilste Fett zum Kochen. Mehrere Studien — darunter eine der Universität Barcelona, veröffentlicht in Food Chemistry — haben gezeigt, dass natives Olivenöl extra thermischer Degradation besser widersteht als Sonnenblumen-, Raps- und Kokosöl.

Warum? Aus zwei Gründen:

  1. Hoher Ölsäuregehalt — ein einfach ungesättigtes Fett, das Hitze gut verträgt
  2. Polyphenole — sie wirken als Antioxidantien und schützen das Öl beim Kochen

Die Daten bestätigen es: In verschiedenen wiederholten Frittier-Tests mit Kartoffeln degradiert natives Olivenöl extra deutlich weniger als raffinierte Öle oder Samenöle. Die Schmackhaftigkeit der Lebensmittel ist mit nativem Olivenöl extra bei aufeinanderfolgenden Frittiervorgängen ebenfalls überlegen, und nach mehreren Frittierzyklen ist die Veränderung der Fette deutlich geringer. Professor Gregorio Varela Mosquera, Präsident der Fundación Española de Nutrición, hat dieses Verhalten umfassend dokumentiert: Er entdeckte, wie Olivenöl beim Frittieren anders auf die Kohlenhydrate an der Oberfläche der Lebensmittel einwirkt als andere Öle, was erklärt, warum spanische Churro-Bäcker immer Olivenöl bevorzugt haben.

Also nein, es verbrennt nicht. Nein, es ist nicht gefährlich. Und nein, es verliert nicht alle seine Eigenschaften.

Aber... lohnt es sich?

Das ist die eigentliche Frage. Ja, man kann. Aber denken Sie daran, was beim Frittieren passiert: Sie setzen das Öl minutenlang hohen Temperaturen aus. Ein Teil der flüchtigen Aromen verdunstet. Ein Teil der Polyphenole wird abgebaut. Was bleibt, ist immer noch besser als jedes raffinierte Öl, aber es ist nicht mehr dasselbe, was Sie in der Flasche hatten.

Die praktische Regel:

  • Roh — verwenden Sie Ihr bestes Öl. Hier schmecken Sie alles: Aromen, Geschmack, Textur.
  • Sanftes Kochen (Anschwitzen, Ofengemüse, Pfannengerichte) — ein mittel- bis hochwertiges natives Olivenöl extra funktioniert perfekt.
  • Frittieren — ein solides natives Olivenöl extra oder ein natives Olivenöl (ohne extra) sind vernünftige Optionen.

Referenztemperaturen

TechnikTemperaturEmpfohlenes ÖlRohRaumtemperaturIhr bestes natives Olivenöl extraSanftes Anschwitzen80-120 Grad CNatives Olivenöl extraPfannengerichte140-160 Grad CNatives Olivenöl extraBackofen160-200 Grad CNatives Olivenöl extra (Vorsicht über 200 Grad C)Frittieren160-180 Grad CNatives Olivenöl extra oder nativIntensives Frittieren180-200 Grad CNativ oder Olivenöl (Handelskategorie: Mischung aus raffiniertem und nativem)

Natives Olivenöl extra beim Backen

Das mag seltsam klingen, wenn Sie es noch nicht probiert haben, aber natives Olivenöl extra funktioniert beim Backen außerordentlich gut. Eine hochwertige Arbequina mit ihrem süßen, fruchtigen Profil ersetzt Butter mit Vorteil:

  • Kuchen — lockerer und aromatischer. Ersetzen Sie 100 g Butter durch 80 ml Öl
  • Kekse — knusprigere Textur, klarerer Geschmack
  • Muffins — das Aroma von Obst und Kräutern ist subtil, aber vorhanden
  • Tarteböden — leichter und bekömmlicher

Der Schlüssel ist, eine Arbequina oder eine milde Hojiblanca zu verwenden, nicht ein intensives Picual.

Welches Öl für welches Gericht

Ein schneller Leitfaden basierend auf Intensität:

Intensives Öl (Picual, Cornicabra, Coratina):

  • Rotes Fleisch, Wild
  • Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen, Bohnen)
  • Gereifter Käse
  • Gegrilltes Gemüse
  • Pan con tomate
  • Dunkle Schokolade

Mittleres Öl (Coupage, Hojiblanca):

  • Pasta
  • Reisgerichte
  • Ofengemüse
  • Sautiertes
  • Vielseitiger Alltagsgebrauch

Mildes Öl (Arbequina, Picudo):

  • Weißfisch, Meeresfrüchte
  • Obstsalate
  • Gedämpftes Gemüse
  • Backen
  • Cremes und Pürees
  • Eiscreme (ja, ein Faden Arbequina über Vanilleeis)

Die letzte Regel

Wenn Sie sich nur eine Sache merken wollen: Haben Sie keine Angst vor Hitze, aber heben Sie das Beste für roh auf. Dort drückt Ihr Öl alles aus, was es hat.

Und wenn Ihnen jemand sagt, dass natives Olivenöl extra nicht zum Kochen taugt, fragen Sie ihn, womit die Menschen im Mittelmeerraum in den letzten 4.000 Jahren gekocht haben.